Ngakma Nor’dzin und Ngakpa ’ö-Dzin mit 
  den Gyüd pa’i Lamas des Aro gTér

Informelle symbolische Dzogchen-Übertragung

Ngala Nor’dzin und Ngala ’ö-Dzin feiern das Wiedersehen mit den Gyüd pa’i-Lamas des Aro gTér

Dieses Foto wurde 1989 anlässlich eines privaten Besuchs von Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen gemacht. Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen haben immer schon die Zukunft der konföderierten Aro Sanghas mit ihren ordinierten Schülern diskutiert und Ngakma Nor’dzin und Ngakpa ’ö-Dzin haben deshalb an vielen gesellschaftlichen Anlässen ihrer Linien-Lamas teilgenommen. Soziale Interaktion war stets ein wichtiger Aspekt der Beziehung von Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen zu ihren ‚Apprentices‘ (‚Lehrlingen‘) (ge’trug – ge’phrug) und Schülern (dorje ngö-lob – rDo rJe dNos sLob) und inzwischen führen Ngakma Nor’dzin und Ngakpa ’ö-Dzin diese Tradition der Nähe mit ihren eigenen Apprentices fort.

Soziale Interaktion kann im Dzogchen ein machtvolles Mittel für die Übertragung sein, besonders als ‚informelle symbolische Übertragung‘. In den Dzogchen-Unterweisungen gibt es drei Wege der Übertragung. Diese werden Direkt, Symbolisch und Mündlich genannt. Direkt ist die Geist-zu-Geist-Übertragung; Symbolisch ist die Übertragung mithilfe einiger kryptischer Worte gemeinsam mit dem Zeigen eines Gegenstandes, wie zum Beispiel dem Mélong; Mündliche Übertragung ist in jeglicher Erklärung von Dzogchen oder Dzogchenübungen enthalten. Symbolische Übertragung kann unterteilt werden in ‘formelle symbolische Übertragung’ und ‘informelle symbolische Übertragung’ – wobei die erste ist wie bereits beschrieben, und die zweite unbegrenzt. ‘Informelle symbolische Dzogchen-Übertragung’ könnte sich manifestieren in der Form, dass der Lama einen ungewöhnlichen Tonfall oder Gesichtsausdruck benutzt, oder es könnte eine ungewöhnliche Bewegung oder ein ungewöhnliches Verhalten sein. Es gibt viele Geschichten über ‘informelle symbolische Dzogchen-Übertragung’ aus Tibet, die inspirierend zu lesen sind, wenn man bereits ähnliche Manifestationen in der Gesellschaft der eigenen Lamas erfahren hat.

Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen setzen besonders die Situation des Abendessens gerne ein, um verstecktere Zugänge zur Dzogchen-Übertragung zu fördern. Ngala Nor’dzin und Ngala ’ö-Dzin essen oft mit Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen zu Abend, um die Entwicklung ihrer Sanghas und Fragen, die bei der Verbreitung der Unterweisungen auftauchen, zu besprechen.

Ngakma Nor’dzin sagt dazu:
Es gab viele Gelegenheiten, bei denen wir mit Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen gelacht und gescherzt haben, während sich plötzlich der Akzent verschob und uns bewusst wurde, dass wir gerade eine Belehrung erhielten und eine Übertragung die Sicht zu leben. Das Gefühl der Übertragung ist jenseits von Konzepten und Intellekt. Zu vielen Gelegenheiten ist mir bewusst geworden, dass sich die Atmosphäre eines Gesprächs veränderte. Dann fühlte ich immer eine Unbewegtheit des Geistes, und eine Empfindung im Zentrum meines Körpers, als ob eine Welle direkter Kommunikation durch mich hindurch gegangen wäre. Das Erkennen solcher Momente der Übertragung glimmt in mir, und im Lauf der Jahre sind diese Erfahrungen zu anhaltender Hingabe und Offenheit für die Möglichkeit der Übertragung in jedem Augenblick mit meinen Lamas herangewachsen.

Ngakpa ’ö-Dzin sagt über diese Begebenheit:
Ich erinnere mich an eine der ersten Gelegenheiten, als Ngak’chang Rinpoche einen Witz völlig auf den Kopf stellte: Es war im Ziopin Restaurant in Roath Cardiff (in welchem er hier zusammen mit Khandro Déchen, Ngakma Nor’dzin und Ngakpa '-Dzin abgebildet ist) und Ngak’chang Rinpoche wechselte von einer Witzelei über Sambucha und Sambogakaya hinüber zu einer Diskussion über die Natur von Alkohol in flüssigem und gasförmigen Zustand in Hinblick auf seine Entflammbarkeit. Das Glas wurde zum Mandala. Der Sambucha wurde zum Nirmanakaya, seine flüchtige gasförmige Natur zum Sambogakaya und seine Flamme zum Weisheitsfeuer des Dharmakaya. Es war eine simple Feststellung, doch in diesem Moment wurde sie zu einer Übertragung und ich begriff, dass offen zu sein wichtiger ist als einen enormen Intellekt zu haben.