Dieses Foto zeigt Nga-la Rig’dzin Dorje mit seinem Sohn Henry im Jahr 1998 anlässlich eines Besuchs zuhause bei Ngak’chang Rinpoche und Khandro Déchen. Henry erhielt von Ngak’chang Rinpoche den Namen Akyong Rig-tsal Takjung: „Beschützer des ursprünglichen A, Strahlender Glanz des ursprünglichen Gewahrseins, Geboren von Tigern“. Henry hat ein sehr gutes Verhältnis zu Robert (Düd’dül Dorje), dem Sohn des Linien Lamas, obwohl die beiden in sehr weit voneinander entfernten Teilen des Landes wohnen.
Nga-la Rig’dzin Dorje trägt nichtformelle Roben, ein weißes tan-chu, „Halb-chuba“, das herumgewickelte Tuch, das eigentlich den unteren Teil der Chuba ausmacht. Dieses morgenrockähnliche Kleid oder Überkleid wird von den meisten Tibetern getragen. Eine etwas geschlossenere Form des tan-chu wird von tibetischen Frauen getragen, auch von weiblichen Lamas; zum Beispiel häufig von Khandro Déchen. Nga-la Rig’dzin Dorje trägt zwar nur das Unterweste und nicht die vollständige to-nga, aber die Weste ist immer noch mit den gekreuzten Reversen ausgestattet, welche die „Fänge von Yama“ repräsentieren, die unmittelbare Nähe der sich ständig schließenden Klauen des Todes.
Nga-la Rig’dzin Dorje verbringt die meisten Wochentage als „Hausmann“, während seine Gattin Nicola arbeitet. Somit hatte er die Möglichkeit, obwohl er aufgrund seiner Lehrtätigkeit so viele Wochenenden im Ausland verbringt, zu Henry eine engere und umfassendere Beziehung aufzubauen, als dies vielen Vätern mit einer geregelteren Arbeitswoche möglich ist. Nga-la Rig’dzin Dorje war immer in England beheimatet, einerseits um nahe bei seinen eigenen Lamas zu sein, andererseits damit Henry in der Nähe der Familien von seinen beiden Eltern aufwachsen kann. Jedoch die Lehrtätigkeit und das Schüler Programm von Nga-la Rig’dzin Dorje waren immer ausschließlich außerhalb von Großbritannien. Daraus hat sich ergeben, dass sich Nga-la Rig’dzin Dorje zu Hause, bei seiner Familie oder in der Öffentlichkeit, paradoxerweise in der Situation des Retreats befindet; in dem Sinne, dass er sich gänzlich dem privaten Familienleben widmet, das sich versteckt in der wundervoll liberalen Gegend im Norden von London abspielt. Wenn er dann im Gegensatz dazu im Ausland Kurse gibt, stellt er sich der Öffentlichkeit vollständig als Lama zur Verfügung. Sein Privatleben und sein öffentliches Leben beinhalten sich gegenseitig.
Anders als klösterlich Praktizierende haben Yogis und Yoginis immer dazu tendiert, zwischen religiöser Kleidung und gewöhnlicher Kleidung entsprechend den äußeren Umständen zu wechseln (obwohl zum Beispiel auch Mönche und Nonnen üblicherweise normale Reisekleidung tragen). Dieser Wechsel zwischen der Formalität des symbolischen Erscheinens und dem sich Entfernen von jedweder Formalität, zwischen Situationen des Retreats und der Praxis des Alltagslebens, kennzeichnen und beschleunigen die Praxis des Tantra. Aber es wäre ein großer Fehler zu glauben, dies würde das Leben eines Tantrika weniger anspruchsvoll machen. Ganz im Gegenteil, es setzt den Praktizierenden der Gefahr aus, Urlaub von der Praxis nehmen zu wollen, angesichts der Vielzahl von Forderungen und Ablenkungen. Die Betonung liegt darauf, in der Praxis eine Kontinuität des Gewahrseins zu erlangen inmitten all der sich unaufhörlich ändernden, stark unterschiedlichen Lebensumstände. Daher heißt es im Tantra: „Je mehr Holz, desto heißer das Feuer“.