Nga-la Rig’dzin Dorje – Takdröl: Befreiung durch Tragen

Nga-la Rig’dzin Dorje

Takdröl: Befreiung durch Tragen

Dieses Portrait von Ngala Rig’dzin Dorje wurde im Januar 2000 auf dem gö-kar chang-lo Ordinations – Retreat in Baarlo in den Niederlanden gemacht. Dies war das erste Mal, dass Ngala Rig’dzin Dorje die trditionelle To-nga eines Lehrers des Aro gTér trug. Die weißen Stoffbahnen der yogischen Weste bedeuten, dass ihr Träger ein Lehrer mit eigenen Schülern ist.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Kleidung eines Ngak’phang Lamas ist der Takdröl. Ngak’chang Rinpoche schreibt:
Takdröl (bTag grol) bedeutet ‚Befreiung durch Tragen‘. Takdröl ist Teil einer Reihe von Methoden der Befreiung, welche sich auf die Ebene der Sinne beziehen. Es gibt Praktiken zur Befreiung mittels Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Spüren und Erkennen. Darin besteht eine Bedeutung von Takdröl, eine andere bezieht sich auf die Verifizierung seiner Erfahrung durch den Lama und den Beginn der Praxis seines dritten Lama Khorlos.

Das erste Khorlo beinhaltet das Studium der Praxis; das zweite Khorlo bedeutet Vollendung der Praxis im Retreat und das dritte Khorlo besteht aus dem Unterweisen und Etablieren einer Schülerschaft. Der Takdröl kann überall am Körper getragen werden, aber im Falle eines Lama befindet er sich am Kopf, und zwar entweder als Pécha (tibetischer heiliger Text), oder in der Form eines Zylinders, der eventuell noch einen Totenkopf trägt. In der Nying-thig Tradition ist die Form einer Pécha als Takdröl am häufigsten und Kunkhyen Jig’mèd Lingpa wird immer mit einem derartigen Takdröl abgebildet.

In der Aro gTér Tradition wurde ein Zylinder mit einem flammenden Totenkopf darauf verwendet, da diese Form eher dem Stil der Mahasiddhas entspricht, welche sich durch einen einfachen kleinen Totenkopf am Scheitel schmückten. A-Kyong Düd’dül Dorje trug den Schmuck auf diese Weise. In diesen Takdröls befanden sich Miniaturtexte, welche sich auf die Praxis der Befreiung durch Tragen bezogen. Die andere im Aro Gar verwendete Art von Takdröl wurde von Gomchenma Künzang Rang-rig Long-tsal getragen. Dies war ein Daumenring aus Elfenbein, wie er von Bogenschützen benutzt wurde. Dieser Haarschmuck beinhaltete keine Schriften, sondern stand als Symbol für die Herrschaft über die inneren Elemente und die äußeren Schutzgottheiten. Der Grund dafür, dass der Takdröl am Scheitel befestigt wird, liegt darin, dass er den Wurzellama des Trägers repräsentiert. Wenn jemand den Takdröl trägt, wird er beständig an seinen Tsa-wa’i Lama erinnert und alle seine Handlungen werden durchdrungen vom Geist seines Lama.

Die von Ngala Rig’dzin Dorje getragene Takdröl wurde ihm zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Ausbildung von Ngak’chang Rinpoche als Geschenk überreicht mit dem Auftrag, von nun an darauf Acht zu geben. Ngak’chang Rinpoche selbst trug diese Takdröl über viele Jahre auf anraten seines ersten Ngak’phang Lehrers, dem verstorbenen Lama Yeshé Dorje Rinpoche. Er wurde ihm in England durch Kyabjé Chhi’mèd Rig’dzin Rinpoche noch einmal öffentlich verliehen, als dieser die Ermächtigungen zu Dorje Tröllo, Seng-gé Dongma und Tröma Nakmo gab. Zur Befestigung kann Ngala Rig’dzin Dorje immer noch das Originalband verwenden, welches von Ngak’chang Rinpoche vor über zwei Jahrzehnten, als er im indischen Himalaya lebte, zu diesem Zweck geflochten wurde. Im Takdröl befindet sich der entsprechende Text zur ‚Befreiung durch Tragen‘, auf welchen sich Ngak’chang Rinpoche weiter oben bezieht. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde Ngala Rig’dzin Dorje von Ngak’chang Rinpoche mitgeteilt, er solle von nun an den Takdröl immer gemeinsam mit seinen Roben tragen. Da der Takdröl die innige Beziehung zum Lama verkörpert, sollte man niemals von ihm getrennt sein. Er sollte immer direkt beim Körper bleiben, egal ob man sich in Roben befindet oder in gewöhnlicher Kleidung; aber zumindest sollte er im gleichen Zimmer sein.