Ngala Rig’dzin Dorje

Ngala Rig’dzin Dorje

Lama der europäischen und skandinavischen Sanghas

Hier trägt Lama Rig’dzin Dorje die Robe eines Lamas der Aro Linie. Die to-nga (Weste) ist vorwiegend rot. Wie von Kyungchen Aro Lingma empfohlen, handelt es sich um das eigentliche Rot des Feuerelements, und nicht um Rotbraun oder dunkles Kastanienbraun, welche in Tibet aufgrund der am leichtesten verfügbaren natürlichen Farbstoffe vorherrschten. Kyungchen Aro Lingmas Bestehen auf dieses leuchtende Rot scheint von leicht prophetischer Natur gewesen zu sein: Erst in der Zukunft und in weit entfernten Teilen des Planeten würde sich diese Färbung verwirklichen lassen. Yogis und Yoginis des Vajrayana betrachten sich selbst als Kinder von Padmasambhava und Yeshé Tsogyel, und soweit es möglich ist, bringen sie dies durch ihre Roben zum Ausdruck. Rot ist die Farbe des Feuerelements, dessen Symbol der Lotus ist; und Padmasambhava, der Lotusgeborene, ist der dem Feuerelement zugeordnete Buddha. Padmasambhava ist auch bekannt als „der Buddha der menschlichen Ebene“, da typischerweise die menschliche Existenz stark durch das Begehren gekennzeichnet wird, dessen treibende Kraft die Neurose des Feuerelements ist und welches in mitfühlende Aktivität verwandelt werden kann.

Ansonsten hat die to-nga das gleiche Erscheinen wie Roben der monastischen Traditionen des Vajrayana. Die überkreuzten Reverse repräsentieren „die Fänge von Yama“, die Klauen des Todes, die einem immer an der Kehle sitzen und somit an die dringende Notwendigkeit der Praxis erinnern. Allerdings wird in der Aro gTér Linie die Farbe Weiß für jene Teile der Robe verwendet, welche in monastischen Traditionen gelb sind.

Einige Ngak’phang Praktizierende verwenden die Farbe Gelb in ihren Roben, zum Beispiel in der Drigung Kagyüd Schule; in der Nyingma Schule hingegen wird dies üblicherweise vermieden. Gelb war die Farbe der Roben der monastischen Sangha von Shakyamuni Buddha. Der Buddha ließ seine ersten Mönche, die der ausgesprochen anspruchsvollen Kaste der Brahmanen entstammten, ihre eigenen Roben aus Leichentüchern zusammenflicken. Die so hergestellten Kleider wurden in einem Schlamm führenden Fluß gewaschen, wodurch ihnen die lehmgelbe Farbe verliehen wurde. Somit wird die Farbe Gelb mit dem Weg der Entsagung assoziiert: Sila, das Verhalten entsprechend den monastischen Regeln.

Der indische Pandit Atisha entwickelte speziell für das tibetische Volk eine Mischform der Vajrayana Praxis: im Inneren tantrisch, jedoch im Äußeren entsagend. Von daher kommen die gelben Teile der tibetischen monastischen Roben. Im Sinne des tsa-lung Systems, der feinstofflichen Energiekanäle, steht Rot für die Farbe des solaren, weiblichen Kanals, und weiß ist die Farbe des lunaren, männlichen Kanals. Somit erinnert die Verwendung der Farben Rot und Weiß sowohl an Padmasambhava als auch an Yeshé Tsogyel. Padmasambhavas rosarote Gesichtsfarbe repräsentiert seine vollständige Verwirklichung, im Sinne der Vermischung der weißen, männlichen und der roten, weiblichen Essenz in der Phase der Vollendung (dzog-rim) des Anu-yoga. Ein Symbolismus der selben psycho-physikalischen Deutung findet sich bei Yeshé Tsogyel, deren vorwiegend weiße Gesichtsfarbe rot gefleckt ist, in der Art wie man dies auf der Unterseite von Muschelschalen findet. Diese Verwendung von Rot und Weiß verdeutlicht auf umfassende Weise das tantrische Prinzip, daß jedes Geschlecht das jeweils andere enthält. Blau ist die Farbe des Zentralkanals, und das Futter der to-nga ist blau.

Die ausladenden Ärmelaufsätze werden Elefantenohren genannt; ein praktizierender Buddhist braucht, wie ein Elefant, ein sehr gutes Gedächtnis, um das enorme Ausmaß der Belehrungen behalten zu können. Die Elefantenohren sind am Ende mit Borten in den drei Farben besetzt, welche an den Ecken der Ohren verdreht sind, wodurch die Reihenfolge der drei Farben sich umkehrt; auf gleiche Weise ist das tsa-lung System von weiblichen und männlichen Praktizierenden spiegelverkehrt zueinander angeordnet. Daher können Männer und Frauen identische Roben tragen, in denen ihre geschlechtliche Symmetrie bewahrt bleibt.